Bereits im letzten Jahr teilte Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller mit, dass er sich aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig zum 1. Juli 2026 – ein halbes Jahr vor dem geplanten Dienstende – in den Ruhestand versetzen lässt. Seit dem 1. Oktober 1996 ist Herr Vollmöller als Bürgermeister der Stadt Lauterbach im Dienst – und damit fast 30 Jahre bzw. 10.866 Tage.
Am Montag, den 5. Januar 2026, hat Bürgermeister Vollmöller nun im Beisein von 1. Stadtrat Holger Marx und Wirtschaftsdezernent Lothar Pietsch seine offizielle Urkunde zur Ruhestandversetzung, die durch den Magistrat der Kreisstadt Lauterbach ausgestellt wurde, erhalten. Bürgermeister Vollmöller resümiert über seine Dienstjahre: „Ich blicke mit Dankbarkeit, aber auch mit Demut, auf die vergangenen Jahre zurück. Die Stadt Lauterbach hat sich in dieser Zeit stetig weiterentwickelt und es wurde vieles erreicht. Freudig kann ich auf die Entwicklung unserer schönen Stadt in letzten 30 Jahren zurückblicken, die durch den Einsatz vieler Menschen entstanden ist. Dabei gab es allerdings auch beschwerliche Zeiten, die unsere Stadt und deren Fortkommen geprägt haben, die aber gemeinsam durchgestanden wurden. Ich bedanke mich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die jahrelang tatkräftig an meiner Seite gestanden haben. Außerdem richtet sich mein Dank auch an die Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Lauterbach für ihr jahrelanges Vertrauen in mich und meine Arbeit für unsere Stadt. Ich wünsche allen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern sowie den Mitarbeitenden der Stadtverwaltung Lauterbach alles Gute und mein berühmtes Quäntchen Glück für die Zukunft. Für die Stadt Lauterbach wünsche ich mir einen positiven Weg für die Zukunft, der auf Zusammenhalt, Teilhabe, Dialog, Wertschätzung und Toleranz aufbaut.“
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung Lauterbach haben „vom Chef“ immer Rückendeckung erfahren. In Wochen der Verzweiflung warf er stets seine ganze Erfahrung in die Waagschale, um die Verwaltung schadlos zu halten. In guten Zeiten geizte er nie mit Lob, um sie weiter nach vorne zu werfen. Alle Bediensteten und ehemaligen Bediensteten blicken dankend auf ihre Zeit unter Bürgermeister Vollmöller und dessen jahrelanges Engagement zurück.
Als junger Mensch war das spätere Stadtoberhaupt bereits begeistert von seiner Vaterstadt. In den Jahren seiner Kindheit und Jugend erholte sich Lauterbach dabei noch immer von den Defiziten und Nachwehen der Kriegsjahre. Als Rainer-Hans Vollmöller hier seinen ersten Geburtstag feierte, fanden in Lauterbach noch Seminare über den sich steigernden Blockkonflikt statt, die Gedenktafeln der Weltkriegsopfer wurden in der Gedächtnishalle montiert und vor manchem sanierungsbedürftigen Haus dampften Misthaufen.
Herr Vollmöller, der sich früh für Politik interessierte, war stets der Meinung, dass jemand, der die Zukunft gestalten will, die Herkunft nicht vergessen dürfe. In der Christlich Demokratischen Union fand er eine geistige Heimat seines Strebens. In seinen Lehrjahren in der Stadtverwaltung lernte der junge Angestellte Disziplin, Achtsamkeit und so manchen Kniff, den er im späteren Berufsleben durchaus gebrauchen konnte. Bürgermeister Fiedler und Hauptamtsleiter Gliß waren ihm Vorbild und Hilfe. Bei ihnen lernte er, dass Erfahrung und Weisheit Produkte von Jahren sind. Hier legte er sich seinen berühmten „langen Atem“ an. Auch der von ihm geachtete, spätere Bürgermeister Visse (CDU) blieb ihm Vorbild in seiner geradlinigen Art.
Aufmerksam die Stadtpolitik beobachtend, sah der junge Verwaltungsmann Lauterbach, wie es immer mehr wirtschaftlich am Zonenrand vegetierte. Dazu kam die ein oder andere Misere in der Politik – so die berühmte „Causa Mudrack“. Herr Vollmöller wollte es einmal gewissenhafter machen und seiner Stadt die verdiente Aufmerksamkeit, die verdiente Leidenschaft widmen. Weil Herr Vollmöller wusste, dass er seiner Vaterstadt einmal federführend dienen wollen würde, schulte er sich engagiert weiter, bestand als Bürgermeister in Gemünden / Wohra die Feuertaufe für das Amt, auf welches er nun „daheim“ aspirierte.
Zwischen seinem Amtsantritt als Bürgermeister 1996 und seinem Ausklang 2026 ist viel passiert: Die Straßen der Stadt sind sauber, die meisten ihrer Häuser strahlen in neuem Glanz. Lauterbach ist zu einer prosperierenden Kleinstadtperle im Herzen Europas und der Welt geworden, erschlossen durch neue Gewerbegebiete, hervorragende Infrastruktur und mondäne Neubauviertel. Frei nach seiner Devise sinnvoller Sparsamkeit hat er das Rathaus saniert, die Adolf-Spieß-Halle wieder zu neuem Leben erweckt, den „Alten Esel“ als Wirkstätte seiner Ahnen wieder zum Goldglanz einer kulturellen Instanz verholfen und damit der Würde der Lauterbacher Geschichte wirkmächtig Ausdruck verliehen, ohne neue Lasten durch unnötige Prestigeprojekte zu erzeugen. Unter Vollmöller wurden die Feste und Märkte reformiert: der Prämienmarkt avancierte zum größten Volksfest Oberhessens, Stadt- und Lauterfest zu echten Publikumsmagneten. 1200 Jahre Ersterwähnung, 750 Jahre Stadtrechte und Lauterbachs Zeit als Haupt- und Residenzstadt der Riedesel haben durch große Feiern ein neues Selbstbewusstsein erzeugt, von dem nunmehr tausende Touristinnen und Touristen aus Hessen und der Welt zeugen können.
Als Rainer-Hans Vollmöller das große Stadtjubiläum 1966 unter der Regie seines Idols Willi Fiedler verfolgte, hat er wohl kaum für möglich gehalten, dass er ihn mal in seinem Bronzerang unter den Rekordbürgermeistern der Stadt beerben würde. Für 30 Jahre Treue, 30 Jahre Herzblut, 30 Jahre aber auch voller Tränen, Schweiß und Blut schuldet seine Vaterstadt ihm ewigen Dank.
Julia Löb & Till Hartmann